Schichtarbeit

Ob im Krankenhaus, in der Energieversorgung, bei der Polizei oder in der Industrie – Schichtarbeit ist in vielen Branchen unumgänglich. Da sie die Gesundheit und das soziale Leben beeinträchtigen kann, sieht das Arbeitszeitgesetz besondere Regelungen vor.
  • Unterschieden werden permanente Schichtsysteme und Wechselschichten.
  • Der Arbeitgeber kann Schichtarbeit im Rahmen seines Direktionsrechts anordnen.
  • Schwerbehinderte Beschäftigte sind nicht grundsätzlich von Schichtarbeit befreit.

Unter Schichtarbeit - einem Begriff aus dem Bereich der Arbeitszeitgestaltung - versteht man Arbeiten zu wechselnden Tageszeiten. Je nach Lage der Arbeitszeit im Tagesablauf bezeichnet man sie als Tages-, Nacht-, Früh- oder Spätschicht. Bei Schichtarbeit lösen sich mehrere Arbeitnehmer an einem Arbeitsplatz nacheinander ab, um den Arbeitsplatz über die Arbeitszeit des einzelnen Arbeitnehmers hinaus zu besetzen. Die Schichtarbeit dient zum Beispiel der besseren Ausnutzung teurer industrieller Produktionseinrichtungen und ist notwendig für die Krankenbehandlung in Krankenhäusern, die Energieversorgung in Kraftwerken oder die dauerhafte Präsenz von Polizei und Feuerwehr.

Man unterscheidet permanente Schichtsysteme, bei denen der Arbeitnehmer stets während der gleichen Arbeitszeit im Betrieb anwesend ist, und Wechselschicht. In der Wechselschicht wechselt die Schichtzeit des Arbeitnehmers zum Beispiel von Früh- auf Spätschicht nach im Voraus festgelegten Zeitintervallen.

Regelungen durch das Arbeitszeitgesetz (ArbZG): Schicht- und insbesondere Nachtarbeit bringen zusätzliche Belastungen für die Beschäftigten mit sich, zum Beispiel durch die zeitlich versetzte Lebensweise im Vergleich zum üblichen Tagesrhythmus der natürlichen Körperfunktionen (Schlafzeit, Zeiten der Nahrungsaufnahme) oder durch Störungen des sozialen Lebens (Beziehungen zu Familie und Freunden, Besuch von Veranstaltungen). Daher ist die Arbeitszeit der Nacht- und Schichtarbeitnehmer nach den gesicherten Erkenntnissen der Arbeitswissenschaft über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit festzulegen (vergleiche § 6 Absatz 1 ArbZG).

Die Einführung von Schichtarbeit kann der Arbeitgeber im Rahmen seines Direktionsrechts anordnen (vergleiche § 106 Satz 1 GewO). Der Betriebsrat allerdings hat dabei ein umfassendes Mitbestimmungsrecht (§ 87 Absatz 1 Nummer 2 BetrVG). Im öffentlichen Dienst unterliegt die Einführung, Ausgestaltung und Änderung der Schichtarbeit ebenfalls der Mitbestimmung durch den Personalrat (vergleiche etwa § 75 Absatz 3 Nummer 1 BPersVG und § 72 Absatz 4 Nummer 1 LPVG NW).

Schwerbehinderte Beschäftigte sind von Schichtarbeit nicht grundsätzlich befreit oder ausgeschlossen. Im Einzelfall kann ein Anspruch des schwerbehinderten Arbeitnehmers gegen den Arbeitgeber auf behinderungsgerechte Gestaltung der Arbeitszeit mit der Maßgabe bestehen, ihn wegen der Besonderheiten der Behinderung von Schichtarbeit ganz oder teilweise auszunehmen (vergleiche § 164 Absatz 4 Nummer 4 SGB IX und dazu Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 03.12.2002 - 9 AZR 462/01 sowie § 106 Satz 3 GewO - Pflicht des Arbeitgebers zur Rücksichtnahme auf Behinderungen des Arbeitnehmers).

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